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Naturverlaichung
Im Leben jeder Tierart ist die Fortpflanzung ein besonderes Ereignis. Bei den Fischen ist diese besonders und sehr vielfältig. Auch wenn die Eiablage in der natürlichen Umgebung das gemeinsame Prinzip der Fortpflanzung jeder Fischart ist, so unterscheiden sich doch die Art und die Zeit des Laichens, das Laichsubstrat, und sogar die Sorgfalt bei der Aufzucht der Jungen von einer Art zur anderen. Während Forellen und Lachse zum Beispiel Wanderungen von bis zu 1000 km zurücklegen, um die Eier in das Kies zu legen, in dem sie selbst geboren sind, legen Barsche und andere Seefische ihre Eier direkt auf Unterwasserpflanzen. Während der Hecht seine Nachkommenschaft in den überschwemmten Wiesen bei Hochwasser im Frühjahr aussetzt, verteidigen andere Arten wie z.B. der Stichling, der Zander, der Katzenfisch oder der Schwarzbarsch vehement ihre speziellen Nestgelege.
Somit hat die Evolution im Laufe der Jahrhunderte verschiedenste Fortpflanzungsstrategien nach den Besonderheiten und Bedürfnissen jeder Lebensart entwickelt. Der daraus resultierende optimale Gebrauch der jeweiligen Lebensgrundlagen ist also das Ergebnis einer langen, evolutionären und mehrere Millionen Jahre andauernden Anpassung. Die Qualität der Fortpflanzung der verschiedenen Individuen hängt dabei vom Vorhandensein und der Funktionalität des bevorzugten Lebensraums ab. Mit anderen Worten sind Zerstörung, Unzugänglichkeit oder Verschmutzung der Laichplätze der verschiedenen Arten oft Ursache und Ausgangspunkt ihres Verschwindens. Beispielsweise versucht die Forelle systematisch den Ort Ihrer Geburt zu erreichen um sich fortzupflanzen; die Wichtigkeit des Funktionierens des Lebensraums, welcher ihr Auftauchen, auch das ihrer Vorfahren erlaubt, mit anderen Worten die familiäre Wiege, braucht nicht mehr bewiesen zu werden. Man wechselt in der Tat kein Team, welches gewinnt! Die Konstruktion eines unüberwindlichen Hindernisses zwischen den Aufwuchszonen, wo sie das Erwachsenalter erreicht und der Stelle, wo sie geboren wurde, stört die laichbereite Forelle in hohem Masse, da sie sich von ihrem Geburtsort lösen und einen anderen Laichplatz finden muss. Sie muss eine Kiesbank suchen, die einen regelmässigen Wasserstrom hat. Der Durchmesser der Steine, welche die Kiesbank bilden, darf nicht zu gross sein, damit die Steine verschoben und die Eier abgelegt werden können. Im weitern dürfen die Steine nicht zu klein sein. Sie müssen eine Durchlässigkeit des Substrats garantieren, damit dauernd und während mindestens zwei Monaten eine ausreichende Sauerstoffzufuhr gewährt ist. Es ist ebenfalls empfehlenswert eine Kiesbank zu suchen, die nicht bei der ersten Überschwemmung weggespült wird… Ebenso ist die Unzugänglichkeit oder die Zerstörung eines Laichplatzes, der schon seit hunderten von Generationen benutzt wurde ein Schaden für den Fischbestand, da seine Adaption an das Habitat tausende von Jahren gedauert hat. Und man darf sich keiner Illusion hingeben: die Massnahmen zur Weiderbevölkerung, die vom Menschen praktiziert werden, um die Störungen zu kompensieren, welche er selbst verursacht hat, können die Arbeit der Natur nie ersetzen. Diese Massnahmen der Fischereibewirtschaftung sind höchstens "Sand in den Augen der leichtgläubigen Fischer“ Sie können höchstens kurzfristig den beklagenswerten Zustand der Fischbestände in unseren Flüssen verdecken. Wirksamkeitskontrollen zeigen, dass Fische aus der künstlichen Aufzucht eine geringe Überlebenschance haben, und selten die Geschlechtsreife erreichen. Es stellt sich somit die Frage, welchen Lebensraum diese Fische aus der Fischzucht zur Reproduktion auswählen würden. Ausserdem drohen mit den Besatzmassnahmen die möglichen Risiken der Verbreitung von Krankheiten (z.Bsp. PKD) oder der genetische Degenerationen durch Kreuzen verschiedener lokaler Stämme. Das externe Einbringen von Fischen in Flüssen, wo die Naturverlaichung stattfinden kann, muss daher zugunsten von Massnahmen zur Erhaltung und Bewahrung der natürlichen Lebensräume unterlassen werden. Somit ist nur die natürliche Fortpflanzung eine dauerhafte Lösung für die Aufrechterhaltung unserer Fischpopulationen. Der Schutz und die allfällige Wiederherstellung der Gewässer bilden daher zu Recht Prioritäten der fischereiliche Bewirtschaftung durch den Freiburger Fischereiverband.
Daniel Schlunke |




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